Freitag, 24. Juni 2011

Klartext

Selten hat jemand seinen Frust beim Online-Dating so unverblümt in Worte gefasst wie die folgende anonyme 55-jährige Dame, die (noch) Mitglied bei ElitePartner ist:

Ich über mich

Mein Lieblingsbuch ist ...

...das hat ein halbes Jahr niemanden interessiert.

Ich kann es nicht leiden, wenn ...

....man hier nach Übermenschen sucht. Warum kommen keine Anfragen? Ich war fünf Monate mit einem attraktiven Profil hier drin, ohne das geringste Interesse seitens der männlichen Partnersuchenden. Ich kann meine Enttäuschung nicht in Worte fassen. Es ist mir ein Rätsel, dass mich niemand angeschrieben hat. Ich weiss nicht, woran das liegt. Ich wurde zu keinem Telefon und zu keinem Kennenlern-Kaffee eingeladen. Noch schlimmer, meine Anfragen wurden mit Standard-Absagen gekillt. Es erstaunt mich, dass Professoren, Hochschulabsolventen, Studierte, etc. nicht in der Lage sind, ein paar Sätze selber zu formulieren. Ist das Niveau an den Hochschulen so tief? Ob das der Sinn einer Online-Partnersuche ist, ist für mich fraglich. Wo sind den die Männer mit Bildung und Charakter? Die sollten ja hier zu finden sein, wie die Werbung im Fernsehen sagt. Ich finde es so schade um das fehlinvestierte Geld.

Es macht mich glücklich, wenn ...

... wenn jemand Interesse an meinem Profil zeigt, und mich nicht nur besucht, sondern auch Kontakt mit mir aufnimmt (Gentlemen like). Leider habe ich das innert eines halben Jahres nie erleben dürfen.

Wenn ich ein Kunstwerk wäre, dann wäre ich ...

.. dann würde ich auf alle, die mir nicht schreiben, von der Wand herunterlachen und euch sagen, wie menschenverachtend Arroganz ist.Alle, die mein Profil ignoriert haben, verdienen einen schwarzen Klecks...keine schön leuchtenden Farben.......schade, dass ihr mich nicht kennen lernen wolltet.

Ein ideales Wochenende ist für mich, wenn ...

...sich nicht mit hochnäsigen Menschen herunzuschlagen müssen.

Wenn ich mir einen Traum erfüllen könnte, dann ...

...dann den, dass auch hochmütige Menschen mal Arroganz pur erleben.

Am wichtigsten in meinem Leben ist mir ...

...das Zusammensein mit lieben Mensche, die mich wertschätzen. Für die tue ich auch alles und wünsche ihnen nur das Beste. Schade gehörst Du nicht dazu. Das hast Du jetzt verbockt. Mein Abo läuft in drei Wochen aus. Du bist schuld, hast Du die Chance, eine echt starke Partnerin zu bekommen, nicht genutzt. Ich gönne Dir eine kettenrauchende, dümmlich, zickige Sozialhilfeempfänerin, Das haben arrogante Männer verdient.

Es bringt mich zum Lachen, wenn ...

..wenn die Männer hier an Frauen geraten, die nur an ihr Geld wollen.

In fünf Jahren möchte ich ...

... möchte ich mit meinem Partner über die Schwerenöter und Möchtegerns, die mich ignoriert haben, lachen können. Schade können das die notorischen Absageerteiler nicht lesen.

Das Besondere an mir ist, dass ...

.. dass ich über der Sache stehe, und weiss, dass ich einen lieben Partner kennenlernen werde.



Dienstag, 7. Juni 2011

Die personalisierte Zeitung

In der Syndicom-Mitgliederzeitung und jetzt auch noch in der Medienwoche durfte sich Nick Lüthi über einen Lieblingsmythos der dogmatischen Internet-Fans auslassen: die «personalisierte Zeitung». Die neue Wortschöpfung bedeutet, dass man nicht mehr eine ganze Zeitung kauft, sondern nur noch einzelne Artikel, die den Leser vermeintlich besonders interessieren. Nick Lüthi meldet, die Post wolle eine solche personalisierbare Tageszeitung anbieten. Der Test soll zeigen, ob die Zeitungsleserinnen und -Leser eine solche Zeitung wünschen.

Ob Lüthi diese «personalisierbare» Zeitung gut findet, sagt er nicht. Man darf davon ausgehen, dass er das Experiment befürwortet. Denn bei den Internet-Fans gehört es längst zum guten Ton, dass man die personalisierte Zeitung gut findet. Es gab ja seit den Punks keine gesellschaftliche Gruppe mehr, die so homogen denkt und argumentiert wie die dogmatischen Internet-Fans (d.h. die Internet-Aktivisten, die Leute, die sich zur sogenannten «Netzgemeinde» zugehörig fühlen).

Doch ist die personalisierte Zeitung wirklich ein Segen für die Menschheit? Cass Sunstein, Jus-Professor der Universität Chicago hat sich dazu Gedanken gemacht. Als er sich zum Thema äusserte, wurde er von den Digital-Fans als «Nazi» beschimpft.

Cass Sunstein hat etwas getan, was viele Internet-Anhänger nicht ausstehen können: Er hat Probleme benannt, die vom Internet verursacht oder verstärkt werden. Und das ist nicht erlaubt in den Augen der «Netzgemeinde». Für sie gilt: Das Internet ist grundsätzlich ein Segen für die Menschheit, weil sie wollen, dass das so ist. Doch Cass Sunstein weist auf eine folgenschwere Entwicklung hin:

«Mit der sinkenden Bedeutung der General-Interest-Magazine und -Zeitungen und mit der Blüte individuell zugeschnittener Programme treffen unterschiedliche Gruppen eine grundlegend unterschiedliche Wahl.»

Diese Entwicklung sei gefährlich, sagt Sunstein, weil sie im Extremfall zu Radikalisierung und Intoleranz führen könne:

«Die meisten Weissen vermeiden Nachrichten und Unterhaltung, die auf ein afro-amerikanisches Publikum zugeschnitten sind.»

Die personalisierte Zeitung, bei der man nur noch die Stoffe abonniert, die einen vermeintlich interessieren und bei der man alles ausblenden kann, was einen vermeintlich nicht interessiert, diese Zeitung bedrohe die Demokratie, sagt Cass Sunstein.

Montag, 23. Mai 2011

«Halbseidene Pseudoinfos aus dem Internet»

«Wie Klaus Rodens das nervt! Wenn die Eltern seiner kleinen Patienten in seiner Praxis stehen, ihn mit ihren "halbseidenen Pseudoinfos aus dem Internet" bombardieren und dann spezielle Medikamente bestellen. Meine Tochter hustet so stark, sie braucht Mucosolvan. Mein Sohn kommt in der Schule nicht mit, er benötigt die Psychopille Ritalin. Der Kinderarzt, der seit 1993 eine Praxis in Langenau bei Ulm hat, nimmt sich dann fünf Minuten Extrazeit und erklärt den Müttern und Vätern ausführlich, was ihr Kind wirklich hat und braucht. Oft ohne Erfolg: "Wenn die sich das in den Kopf gesetzt haben, dann wollen sie auch ein Rezept", sagt Rodens...»

So beginnt ein äusserst lesenswerter Artikel aus der deutschen Wirtschaftszeitschrift «Capital» mit dem Titel «Der Pillentrick oder: Wie man Patienten um den Finger wickelt.» Der Text zeigt ganz klar: Die Gratis-Texthäppchen, mit denen wir im Internet gefüttert werden, sind keineswegs immer nur nützlich für uns – wie uns die Internet-Gläubigen weismachen wollen. Das Gegenteil ist wahr: Viele Leute können Werbung und Information im Internet nicht unterscheiden. Die Folgen sind katastrophal: Wenn diese Leute krank sind, fallen sie auf die Werbung schutzlos herein. Und laufen zum Arzt mit einem Medikamentennamen im Kopf, wie Doktor Rodens sehr anschaulich berichtet im Capital-Artikel. Die Folgen sind für uns alle katastrophal, einerseits für die Patienten, aber auch für die gesamte Gesellschaft:

«Die Patienten fühlen sich aufgeklärt, fallen in Wahrheit aber oft nur auf die Marketingtricks der Pharmaindustrie herein. Die Kosten tragen die Kranken, weil sie manchmal nicht die beste oder gar eine unnütze Therapie erhalten. Und die Gemeinschaft der Krankenversicherten.»

Das sollten sich alle die Leute einmal hinter die Ohren schreiben, die immer wieder ihr Mantra herunterbeten vom Internet, das uns alle glücklich macht. Leute wie David Herzog vom Substanz-Blog, der hier in der Kommentarspalte wörtlich schrieb:

«Du kannst jeden Arzt fragen, jeder wird dir bestätigen, dass die Patienten seit dem Internet viel besser informiert sind.»

Klaus Rodens hat diese Behauptung einmal mehr widerlegt.

Freitag, 6. Mai 2011

Arman's Super-Solex in Basel


Dieses Jahr war ich schon dreimal im Tinguely-Museum. Es ist eines der spannendsten Kunstmuseen. Erstaunlich, wie viele Ausstellungen das Museum machen kann aus der eigentlich einschränkenden Grundidee, nur Künstlerinnen und Künstler zu zeigen, die einen künstlerischen oder persönlichen Bezug zu Tinguely haben. Noch bis zum 15. Mai zeigt das Museum einen Querschnitt durch das Schaffen des französischen Künstlers Arman. Querschnitt ist ein passendes Wort, denn Armans Spezialität war das Zersägen, Zerdeppern und Neuzusammensetzen von alltäglichen Gegenständen. Es gibt keinen besseren Beweis für die These, dass Zerstörung schöpferisch sein kann. Und die Ausstellung erinnert die Baslerinnen und Basler, woher Gabriel Orozco seine Ideen bezogen hat.

«Solex, ici et là» (1989) Foto: Bobby California

Sonntag, 1. Mai 2011

Katastrophale Coiffeursalonnamen – auch in Basel


Leserinnen und Leser dieses Blogs wissen es: Inspiriert vom deutschen Blogger Deef Pirmasens sammle ich verunglückte, pseudo-originelle Coiffeursalon-Namen. Sie begegnen einem fast auf Schritt und Tritt. Hier ist ein Beispiel aus Basel, das weh tut.

Foto: Bobby California, 1. 5. 2011

Samstag, 30. April 2011

Warum Papier praktischer ist

Ich kann sie nicht mehr hören – die gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung der Online-Apostel, dass Papier weniger praktisch sei als der Bildschirm, den sie gedankenlos vergöttern. Obwohl er bei einer Zeitung angeheuert hat, sucht Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien bei der NZZ, jetzt gerade via Twitter zehn Argumente, «warum Print unpraktisch ist». Die will er bei einem Vortrag unters Volk bringen. Auch viele andere digital-religiöse Menschen glauben, nur wenn ein Bildschirm involviert sei, könne man Medien auf zeitgemässe Art konsumieren. Peter Hogenkamps Tweet hat mich zu einem Gegenvorschlag animiert. Nicht, dass ich etwas gegen Bildschirme hätte. Mich stört nur die unkritische Vergötterung dieser an sich äusserst nützlichen Objekte. Sie haben ihre Vorteile und auch bestimmte Nachteile. Hier sind 50 Gründe, warum Papiermedien (Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, das Kursbuch usw...) praktischer sind als Online-Medien:

1. Papiermedien funktionieren immer.
2. Papiermedien gehen auch dann nicht kaputt, wenn sie nass werden.
3. Papiermedien kann ich im Bett lesen.
4. Papiermedien kann ich in die Badi mitnehmen, ohne Angst, dass sie geklaut werden.
5. Papiermedien kann ich in den Rucksack packen, wenn ich in wandern gehe.
6. Papiermedien brauchen keine Batterien und keinen Netzanschluss.
7. Papier kann man problemlos recyclen.
8. Was auf Papier gedruckt ist, ist relevanter und entspricht der Wahrheit eher als Online-Medien, weil eine Organisation (Redaktion, Verlag usw) die Qualität des Inhalts überprüft hat.
9. Was auf Papier gedruckt ist, ist sorgfältiger geschrieben. Denn was gedruckt ist, kann man nicht mehr mit Knopfdruck löschen. Das erhöht die Sorgfalt der Autoren massiv.
10. Papiermedien sind dauerhafter als elektronische Medien.
11. Wenn ich einen Text behalten will, muss ich ihn nicht erst ausdrucken.
12. Papier ist besser für meine Augen als der Bildschirm.
13. Papier ist besser für meinen Rücken, weil ich in jeder Position lesen kann.
14. Papier ist hygienischer, da die Computertasten bekanntlich schmutziger sind als Klobrillen.
15. Papiermedien sind schöner, weil der Druck scharf ist und selbst kleinste Buchstaben problemlos lesbar sind (vorausgesetzt, dass man scharf genug sieht).
16. Papier hält fit, weil ich in die Bibliothek oder zum Kiosk gehen muss, um bestimmte Bücher und Zeitungen zu besorgen.
17. Papier ist für die Konsumenten viel billiger, da sie für die Lektüre nicht immer wieder neue, teure elektronische Geräte kaufen müssen.
18. Papiermedien sind umweltfreundlich, weil für die Produktion viel weniger Energie benötigt wird als für die Produktion von Computern.
19. Papier sichert das Überleben der Menschheit, weil für die Produktion und für den Konsum der Papiermedien weniger (Atom-) Strom verbraucht wird.
20. Papier erzeugt keinen Elektronikschrott, der die Bewohner der Dritten Welt vergiftet.
21. Der Kauf von Papiermedien sichert spannende Arbeitsplätze in Verlagen, Redaktionen und Buchhandlungen. Die Arbeitsbedingungen der Online-Medien sind bekanntlich erniedrigend für die Angestellten.
22. Das Blättern in Papiermedien ist viel angenehmer als das Browsen in Online-Dokumenten.
23. Wer eine gute Zeitung oder Zeitschrift liest, ist besser informiert. Denn Online-Medien sind viel weniger zuverlässig.
24. Der Inhalt von Zeitungen und Zeitschriften ist aktuell – Onlinequellen verbreiten hingegen oft veraltete Informationen.
25. Papiermedien sparen Zeit und Energie, die ich verbrauche, wenn mein Computer nicht funktioniert, was bekanntlich oft vorkommt.
26. Papiermedien sind nicht abhängig vom Funktionieren des Internetanschlusses, der bekanntlich nicht immer funktioniert.
27. Papiermedien können nicht mit Knopfdruck zensuriert werden, so wie das mit Onlinemedien in China und anderswo geschieht.
28. Papiermedien enthalten interessantere Informationen, weil sie in einer Organisation erarbeitet werden, in der Leute sitzen, die anständig bezahlt werden und die (auch deshalb) motiviert sind, gute Arbeit abzuliefern.
29. Papiermedien enthalten relevantere Informationen, weil der Benutzer nicht besondere Fähigkeiten besitzen muss, um Internet-Suchmaschinen zu bedienen.
30. Papiermedien sind besser für die seelische Gesundheit, weil sie nicht süchtig machen.
31. Papiermedien sind vorteilhaft für das soziale Ansehen, weil ein gut gefülltes Büchergestell das Prestige erhöht.
32. Papiermedien intensivieren die geistige Auseinandersetzung mit der Welt, weil das Lesen von Papiermedien konzentrierter abläuft als das Lesen von Texten auf einem Bildschirm.
33. Die Aufmerksamkeitsspanne ist beim Lesen von Papiermedien wesentlich länger.
34. Papiermedien enthalten keine nervig flackernden Inserate.
35. Aus Papier kann man Papier maché herstellen.
36. Papier kann man nach dem Lesen auch für viele andere Sachen verwenden: Papierhüte, Ausstopfen von nassen Schuhen usw.
37. Papier ist ein einheimischer Rohstoff, der immer wieder nachwächst.
38. Papier ist natürlich und deshalb ein sehr angenehmes Material.
39. Es gibt viele verschiedene Papiersorten, das erhöht den haptischen und visuellen Genuss.
40. Fotos kann man auf Papier in viel besserer Qualität reproduzieren als auf einem Bildschirm.
41. Papier gibt es in ganz verschiedenen Formaten.
42. Eine grossformatige Zeitung wie die «Zeit» kann man unmöglich auf einem Bildschirm wiedergeben. Auch die grössten Bildschirme sind zu klein dafür.
43. Papiermedien kann man vollkritzeln, und man kann den Text unterstreichen. Nur so kann man längere Texte wirklich konzentriert lesen und verstehen.
44. Papier stürzt nie ab.
45. Papier hat nie einen leeren Akku.
46. Wer Papiermedien aufbewahren will, benötigt keine teuren Druckerpatronen fürs Ausdrucken.
47. Papiermedien respektieren das Urheberrecht.
48. Papiermedien erschweren die Piraterie.
49. Die Lesbarkeit von Texten ist viel besser auf Papier als auf einem Bildschirm.
50. Das Kursbuch zeigt alle Verbindungen, nicht nur die, die im elektronischen Fahrplan programmiert sind.

Undsoweiter...

Donnerstag, 28. April 2011

ElitePartner – die Elite-Abzocker

Im letzten Herbst dachte ich, es sei an der Zeit, auf Brautschau zu gehen. Als elitärer Mensch stellte ich mir vor, dass eine passende Frau am ehesten bei ElitePartner zu finden wäre. Also bestellte ich eine «Premium-Mitgliedschaft» zum Preis von 269.70 Franken («nur» 89.90 Franken pro Monat).

In den drei folgenden Monaten passierte wenig. Na gut, ich hatte zwei Dates mit einer Stadträtin. So gesehen, trifft der Name «ElitePartner» zu. Doch leider konnte sich die schöne und kluge Stadträtin nicht vorstellen, sich in mich zu verlieben. Und soooo viele andere elitäre Frauen waren nicht in der Datenbank: Eine Zählung von mir ergab, dass der Akademikerinnen-Anteil nur etwa ein Drittel beträgt und nicht 70 Prozent, wie ElitePartner versprochen hat. Zudem füllten zwei Drittel der Frauen, ob Akademikerinnen oder nicht, das Profil nicht vollständig aus, so dass es nicht möglich ist, herauszufinden, ob diese Frauen zu mir passen.

Etwa in der Halbzeit meiner Premium-Mitgliedschaft wurde mir klar, dass ich bei ElitePartner keine passende Frau finden würde. Also schickte ich mich an, die Mitgliedschaft zu kündigen. In diesem Moment wurde mir schmerzlich bewusst, dass die Kündigungsfrist vier Wochen beträgt. Ich hatte die Frist um wenige Tage verpasst. Dennoch schickte ich die Kündigung sofort ab und teilte ElitePartner mit, dass ich die lange Kündigungsfrist als Schikane betrachte und nicht gewillt sei, den Preis für die automatische Verlängerung um sechs Monate zu bezahlen. Zu diesem Zeitpunkt (Ende Januar 2011) betrug der Preis für das Sechs-Monats-Paket 359.40 Franken (59.90 Franken pro Monat).

ElitePartner reagierte nicht. Als ich ElitePartner nochmals aufforderte, die Kündigung zu bestätigen, erhielt ich ein widersprüchliches Mail, das ich nicht ernst nahm und bald löschte. ElitePartner teilte mir mit, die Firma verzichte darauf, weitere Beiträge von meiner Kreditkarte abzubuchen, wolle aber nicht auf die ausstehenden Beiträge verzichten.

Zwei Wochen später erhielt ich die erste Mahnung. ElitePartner forderte mich auf, 241 Franken auf ein Postkonto zu bezahlen. Auch dieses Mail ignorierte ich.

Am 8. März kam die zweite Mahnung. ElitePartner forderte «den noch ausstehenden Gesamtbetrag in der Höhe von 482 Franken zuzüglich einer Bearbeitungsgebühr von 20 Franken». Jetzt geriet ich erstmals ins Grübeln. Wieso zum Teufel 482 Franken? Auf der Seite «Preise und Leistungen», die ich einen Monat vorher ausgedruckt hatte, steht, dass das Sechs-Monats-Paket 359.40 Franken kostet, nicht 482 Franken.

Ich schickte dem ElitePartner-Kundendienst eine Mail und fragte, warum man mir einen Preis verrechnet, der massiv höher ist als die auf der Seite «Preise und Leistungen» angegebene Summe. Zurück kam die folgende Antwort:

«Die Premium-Mitgliedschaft verlängert sich automatisch um ein Sechs-Monatspaket zum Preis von 80 Franken pro Monat (insgesamt 482 Franken), wenn Sie nicht vier Wochen vor Ablauf des Drei-Monatspakets kündigen.»

Ich belehrte den Kundendienst, dass sechs mal 80 Franken die Summe von 480 Franken ergeben, nicht 482 Franken, und dass ich nicht bereit sei, einen überhöhten Fantasiepreis zu bezahlen. Darauf beschied mir der Kundendienst, im verrechneten Preis sei eine «Rundungsdifferenz» eingebaut. In den offiziellen Preislisten findet sich allerdings nirgends eine Rundungsdifferenz zuungunsten des Kunden. Nur meine Rechnung können die Elite-Halsabschneider nicht präzis addieren!

Um es kurz zu machen: Ich zahlte den Betrag, weil ich am nächsten Tag eine längere Ferienreise antrat. Ich wollte vermeiden, dass in meiner Abwesenheit weitere ärgerliche Depeschen von ElitePartner bei mir eintreffen, auf die ich nicht reagieren kann.

Nach meiner Rückkehr aus den Ferien schaute ich die Preisliste nochmals an. Und siehe da: Unterdessen wurde der Preis für das automatische Sechs-Monats-Paket auf 474 Franken erhöht (79 Franken pro Monat). Ich erkundigte mich nochmals beim Kundenservice, warum man mir einen Preis verrechnete, der weder mit der alten Preisliste übereinstimmt noch mit der neuen Preisliste. Der Kundenservice antwortete wie gehabt nur mit faulen Ausreden:

«Die Preisliste auf unserer Seite gilt lediglich für Neukäufe, nicht aber für Vertragsverlängerungen»

oder

«Im Zuge von Aktionspreisen ist es möglich, dass der Neupreis einer sechsmonatigen Premium-Mitgliedschaft günstiger ist»

Pfeifensack! Die Preise, die ich auf der Seite «Preise und Leistungen» gelesen habe, waren nicht als «Aktionspreise» gekennzeichnet. Ich habe auch nie den Preis für «Neukäufe» mit dem Preis für die Vertragsverlängerung verwechselt. Halten die mich denn für völlig bescheuert?

Fazit: Der Kundenservice von ElitePartner ist in Wirklichkeit ein Kundenverarschungs-Service. Nach diesen unangenehmen Erlebnissen ist für mich klar: Einmal ElitePartner – nie wieder ElitePartner!