Montag, 19. April 2010

Ronnie Grob macht Kasse

In seiner gewohnt penetrant-quengeligen Art fragte Ronnie Grob unlängst den Publizistischen Direktor der Südostschweiz Medien im Medienspiegel:

«Haben Sie denn schon selbst nach Bezahllösungen gesucht? Haben Sie welche gefunden? Wenn ja: werden diese nun umgesetzt, übergreifend oder individuell? Wenn ja: wo sind diese Lösungen zu sehen?»

Eine Antwort erhielt Ronnie bis heute nicht, und er hat auch keine Antwort verdient. In Ronnie Grob's Blog ist jetzt aber eine neue, so übergreifend wie individuell umgesetzte Bezahllösung für Blogs zu sehen. Das Ding heisst Kachingle. Das sei «ein Versuch, Websites, die man mag, mit Mikrozahlungen zu unterstützen», teilt uns Ronnie in seinem gewohnt holprigen Stil mit. Das Schöne daran ist, dass man mit einem Mausklick sehen kann, wer Ronnie Grob mit welchen Beiträgen finanziell unterstützt (Stand 19. April, 19:00):

Frau Zappadong: $0.76
Robin Meyer-Lucht: $0.96
100 Watt Walrus: $0.09
Thinkabout:$1.25
Andreas Thut: $1.76
YPH: $0.13
Cynthia: $0.08
Polkarobot: $0.72
Bill: $0.05
Wolfgang Blau: $1.00

Grand Total seit 18. Dezember 2009: $6.80. Nicht schlecht. Die Summe reicht ungefähr für zwei Currywürste und ist keineswegs zu verachten. Mit zwei Currywürsten kann man unter Umständen das Leben eines unterernährten Bloggers retten.

Recherchen von Bobby California zeigen jedoch, dass fast alle Ronnie-Grob-Supporter dem Blogger-Sumpf entstammen (Frau Zappadong, Thinkabout, Polkarobot, Bill) oder im professionellen Online-Milieu tätig sind (Cynthia, Robin Meyer-Lucht, Andreas Thut, Wolfgang Blau). Mit anderen Worten: Kachingle ist ein selbstreferentielles Nullsummen-Spiel. Denn die meisten Leute, die Blogger via Kachingle finanziell unterstützen, sind, naja, eben: Blogger.

Der grosszügigste Ronnie-Grob-Unterstützer ist übrigens Ronnie Grob himself: Er besuchte sein eigenes Blog 117 mal und überwies sich gleichzeitig via Kachingle $9.05.

Kommentare:

  1. Na ja ... von wegen holprig: Dieser Eintrag erinnert auch an eine Schotterpiste.

    Da ich indirekt angesprochen bin:

    Ich finde es gut, dass im Moment Versuche laufen, über Micorpayments etwas - werbefreies - Einkommen für Blogs zu generieren. Niemand muss mitmachen, genausowenig, wie jemand seinen Blog mit Werbung vollpflastern muss. Ist alles freiwillig und steckt in Kinderschuhen.

    Nun konkret zum Text:

    Frage: Wieso "verdient" Ronnie Grob keine Antwort? Weil er Ronnie Grob ist? Weil seine Fragen doof sind (finde ich übrigens nicht)? Einfach so? Oder weil gratis immer am besten ist (auch wenn dabei ganze Einkommen wegbrechen)?

    Anmerkung: Wenn schon auseinandersetzen mit Kachingle, warum dann nicht auch die positiven Beispiele erwähnen? Zum Beispiel das Netzwerk "Carta" (seit Dezember knapp 160 Dollar)

    Kachingle ist ein Experiment. Genau wie flattr, das noch in der Beta-Phase steckt. Es sind Versuche neuer Wege, auf FREIWILLIGER Basis Content zu bezahlen. Ich für meinen Fall tue das gerne (ich würde mir nur wünschen, es wären mehr lesenswerte Blogs bei Kachingle dabei; im Moment überzeugt mich das Angebot noch nicht).

    Grüsse von der Wildgansjägerin aus dem Sumpf

    AntwortenLöschen
  2. Wie objektiv ein Artikel werden kann, der so anfängt wie dieser, ist klar. Hier basht einer die Blogger, und einen ganz speziell, in unterster Blogger-Manie(r). Willkommen im Blogger-Sumpf!

    Ansonsten kann ich Frau Zappadong nur recht geben. Ich bin zwar nur in der Startphase mal für einen tieferen Einblick (von wegen "Recherche", Herr Bobby California) mal mit 5 Dollar Einsatz dabei gewesen.
    Das Grundprinzip von Krachingle ist dabei alles andere als lächerlich - traurig ist allenfalls alles, was nicht funktioniert, weil es zwar Potential hätte, sich aber nicht durchsetzen kann - oder es noch zu früh dafür ist.

    AntwortenLöschen
  3. Frau Zappadong > Willkommen auf meinem Blog, und besten Dank für Ihren Kommentar.

    Zu Ihrer Frage (warum verdient Ronnie keine Antwort?): es ist das Zweite. Ich glaube nicht, dass es zu den Aufgaben eines Publizistischen Direktors gehört, sich den Kopf über Bezahllösungen zu zerbrechen. Sie fragen ja den Lokführer auch nicht, ob er das Klo im Reisezugwagen geputzt hat.

    Zu Carta: 160 Dollars, geteilt durch fünf Monate und etliche Autoren, ergibt pro Nase immer noch kein berauschendes Einkommen. Das ist mir egal. Schmunzeln musste ich hingegen, weil das System zeigt, wer Blogs liest (und mit Mikrobeiträgen finanziert): es sind ausnahmslos andere Blogger. Das müsste den Internet-Propagandisten doch zu denken geben.

    AntwortenLöschen
  4. Thinkabout > Seit wann müssen Blogs objektiv sein? Mir ist aufgefallen, dass manche Blogger besser im Austeilen als im Einstecken sind. Wenn man dann die Arbeitsmethoden der Blogger mal unter die Lupe nimmt, wird einem gleich «Bashing» vorgeworfen. Für mich passt das schlecht zusammen.

    AntwortenLöschen
  5. mister universum21. April 2010 um 07:28

    Sehr lustig, bobby. Die simulieren so was wie realität hier. So wie kinder räuber und poli spielen. Bist du sicher, dass das auch echtes geld ist?

    AntwortenLöschen
  6. Zum publizistischen Direktor:

    "Der abtretende «Südostschweiz»-Chefredaktor Andrea Masüger wird sich als publizistischer Direktor vor allem um den geplanten Neubau eines Medienhauses im Raum Chur kümmern sowie um die Zusammenführung der Printmedien mit den elektronischen Medien. Der 51-Jährige schreibt auch in Zukunft Analysen und Kommentare in der «Südostschweiz»."
    (Quelle: NZZ)

    Andrea Masüger wird also verantwortlich sein für die Zusammenführung der Printmedien mit den elektronischen Medien. Wie immer sein Aufgabenbereich definiert ist: Er wird sich dabei als Veranwortlicher mit den Finanzen auseinandersetzen müssen. Da die Einnahmequellen im Online-Bereich alles andere als gut und sicher sind, wird er (oder mindestens jemand aus seinem Umfeld) auch mit der Frage der Finanzierung beschäftigen. Insofern finde ich die Frage berechtigt. Kommt dazu, dass Masüger weiterhin Analysen schreiben wird. Wer in der heutigen Zeit (u.a) die Medienbranche analysiert, wird nicht um eine Auseinandersetzung mit der Finanzierung von Online-Medien herumkommen.

    Zum Schmunzeln: Schmunzeln Sie ruhig. Wie gesagt: Bei diesem Micorpayments handelt es sich um freiwillige Zahlungen. Sie können Ihnen also egal sein. Natürlich stecken diese Bezahlmodelle in einer Testphase, natürlich können sie total den Bach runtergehen. Das gehört alles dazu. Es ist ein Versuch. Ich finde ihn interessant. Sie zum Schmunzeln.

    Zu den Bloggern: Man könnte das Ganze auch positiv sehen. Wenigstens die Blogger setzen sich mit Bezahlmodellen auseinander, wenn es sonst schon niemand tut :-)

    AntwortenLöschen
  7. Mister Universum > Ob das Geld echt ist oder nicht, spielt eigentlich keine grosse Rolle, denn wenn sich die Blogger gegenseitig bezahlen, ist am Ende des Monats unter dem Strich beim einzelnen Blogger eh nichts mehr in der Kasse :-)

    AntwortenLöschen
  8. Frau Zappadong > Im Organigramm der Südostschweiz Medien ist ein anderer Typ für die Finanzen zuständig, nicht Masüger. Selbst wenn er dafür zuständig wäre, ist es naiv anzunehmen, dass er seine Pläne in der Kommentarspalte des Medienspiegel verraten würde.

    Ob Kachingle den Bach runter geht oder nicht, ist mir tatsächlich egal. Nochmals: Das Interessante an Kachingle ist, dass man sieht, von wem das Geld stammt. Wir lernen dabei: Blogger lesen Blogger, und Blogger finanzieren Blogger. Das Ganze ist also ein hochgradig selbstreferenzielles System, wie Mister Universum beim Medienspiegel sehr scharfsinnig bemerkt hat.

    Und wenn der grösste Beitrag, den Ronnie Grob eingesackt hat, von Ronnie Grob stammt, wird es wohl noch erlaubt sein, zu schmunzeln.

    AntwortenLöschen
  9. Habe ich Ihnen das Schmunzeln verboten?

    Zu den Bloggern: Ich habe nichts dagegen, wenn Blogger Blogger finanzieren. Ich würde übrigens auch Online-Zeitungen finanzieren (wenn es ein Modell dazu gäbe). Denn: Gratis zahlt sich am Ende nicht einmal für die Konsumenten aus - weil sich in defizitären Bereichen (dazu zähle ich die Online-Portale der Zeitungen) die Saläre / Arbeitsbedingungen für Journalisten verschlechtern und damit die Qualität den Bach hinuntergeht.

    Ich wage zu behaupten, dass Blogger auch Kachingelers auf Online-Portalen von Printmedien würden - dass sie es nicht sind, liegt daran, dass diese Medien nicht mitmachen. Die pflastern mich lieber mit brüllender Werbung, etwas dezenterer Werbung, Schleichwerbung und Produkteplacement ein, einige davon verstossen ganz klar gegen den Code of Conduct. Was mich als Konsumentin übrigens massiv angurkt. Kommt dazu: An Tagen, wo der Online-Tagi wie der Mediamarkt oder eine Cumulus-Karte daherkommt, bekomme ich jeweils Augenkrämpfe und Abokündigungsgelüste.

    Zurück zu Kachingle: Auch ich sacke den grössten Teil meiner Beiträge ein - ein Kinderschuhfehler bei Kachingle, der automatisch jeden meiner Besuche auf der eigenen Webseite zählt (und ich die Seite für die Bearbeitung ja besuchen muss), während die Besuche auf den Fremdseiten nur gezählt werden, wenn man über Kachingle-Profil einsteigt. Ansonsten würden meine Gebühren für Leute wie Thinkabout und Ronnie Grob viel höher ausfallen.

    PS: Das Geld ist echt. Ich überweise jeden Monat 5 Dollar an Kachingle. Für guten Content würde ich auch (ziemlich viel) mehr bezahlen. Wie gesagt, auch für Online-Portale von Zeitungen. Weshalb ich finde, dass Leute wie Herr Masüger und seine Kollegen sich diese alternativen Modelle ansehen oder eigene entwickeln sollten.

    Aber eben, schmunzeln ist einfacher ...

    AntwortenLöschen
  10. Frau Zappadong > «Gratis zahlt sich am Ende nicht einmal für die Konsumenten aus»: Mit diesem Statement bin ich absolut einverstanden.

    «Ich würde auch Online-Zeitungen finanzieren, wenn es ein Modell dazu gäbe»: Das finde ich sehr vernünftig. Leider sind Sie mit dieser Einstellung in der Minderheit. Wenn Sie so etwas beim Medienspiegel schreiben, werden Sie von Ronnie und anderen Gratis-Fans umgehend geteert und gefedert.

    «Leute wie Herr Masüger sollten sich diese alternativen Modelle ansehen oder eigene entwickeln»: Be careful what you wish for, you might get it. Heute kann man bei Amazon einzelne Songs kaufen. Morgen kann ich beim Tages-Anzeiger vielleicht einzelne Ressorts abonnieren. Die Folge wäre, dass wenig gefragte Themen wie die Kultur schnell defizitär und weg vom Fenster wären. Deshalb finde ich es besser, wenn man nur die ganze Zeitung en bloc abonnieren kann.

    AntwortenLöschen
  11. mister universum21. April 2010 um 22:23

    darf ich mal was betriebwirtschaftliches anmerken? bobby, check mal: wieviele leser hat der titel, für den du arbeitest? sicher - so hoffe ich wenigstens - grössergleich eins. in skandinavien beispielsweise haben die bis zu vier leser pro ausgabe. ein tagi beispielsweise verbucht 2,2 oder sowas; ein blick wahrscheinlich knapp drei. bedeutet nicht anderes als: der businesscase einer zeitung hat schon immer auf einer mehrheit von gratis-lesern (im spunten, im office, auf flughäfen etc.) basiert. zahlende abonnenten finanzieren bestenfalls produktion, distribution, papier, druck etc. richtiges geld verdient ein verlag mit der aufmerksamkeit eines lesers, die an die werbewirtschaft veräussert wird.
    im internet indess entfallen eben diese produktionskosten - mit ausnahme der inhaltsherstellung freilich - weitgehend.
    das wirklich dramatische problem nun ist: die rubrikenmärkte finden nicht mehr im print und auch nicht in den online-news-titeln statt. die sind auf autoscout, homegate, jobs.ch. das sind erhebliche positionen, die in den print- und online-businessplänen der zukunft fehlen werden. genau darum hängt alles im arsch.
    die unten-rechts-rechnung muss künftig auf konzernebene gemacht werden. und vielleicht müssen wir in zukunft zudem damit leben, dass sich ein mit einer vollkostenrechnung konfrontierter news-titel mit weniger umsatz und demzufolge weniger redaktionsstellen abfinden muss.
    ob das die journalistische qualität zwingend negativ beeinflussen wird, sei erstmal dahingestellt.

    AntwortenLöschen
  12. Mister Universum > Der Titel, für den ich arbeite, hat wesentlich mehr Leser, aber keine Gratis-Leser im Spunten und auch nicht auf Flughäfen.

    Wie sich der Abbau von Redaktionsstellen auf die journalistische Qualität auswirkt, sehen wir jeden Tag im Tages-Anzeiger. Der Redaktions-Abbau beim Tagi ist aber auch eine Folge von übersteigerten Gewinnvorstellungen des Verlags. Es gibt auch Zeitschriften, die gar keine Inserate haben und die dennoch fröhlich existieren. Nur sitzt dort der Redaktion kein Verleger im Nacken, der 20 Prozent Rendite sehen will.

    AntwortenLöschen
  13. mister universum21. April 2010 um 22:51

    wieviele sinds dann pro ausgabe?

    AntwortenLöschen
  14. mister universum21. April 2010 um 22:57

    aber das mit ambitionierten gewinnvorstellungen hat natürlich was.

    AntwortenLöschen
  15. @bobbycalifornia: Ans Teeren- und Gefedertwerden habe ich mich als Bloggerin gewöhnt. Sie zum Beispiel haben mich wenigstens nur in den Sumpf gesteckt (da hat's lästige Mücken, sag ich Ihnen ... aber das nur am Rande).

    Zurück zum Thema:

    Ich sehe die alternativen Modelle auch nicht im Abonnieren einzelner Rubriken oder gar Artikel. Bei den Online-Zeitungen läuft ja im Moment dieses Klickzählen. Anhand der Klicks wird getestet, was die Leserschaft mag. Da haben es die längeren, gut recherchierten Artikel dann schon schwer gegen die brüllende Schlagzeile und den wahlweise halbnackten Busen / das verstümmelte Opfer im Bild.

    Ich denke, die Kurx liegt darin, dass im Moment ziemlich heftig herumgerudert wird und niemand so genau weiss, wie man das Problem lösen könnte. Weil: Gratis geht halt einfach wirklich nicht (ausser man will in Zukunft auch ohne Lohn arbeiten).

    Dummerweise gibt es mittlerweile eine ganze Generation, die mit dieser "nur gratis ist gut" aufgewachsen ist. Ein Umdenken wird da schwierig werden. Das Rad der Zeit zurückdrehen und die Online-Portale der Zeitungen schliessen geht nicht. Bin mal gespannt, was der Murdock mit seinem Bezahlkonzept erreichen wird.

    Das Problem mit den Zeitschriften ohne Inserate ist der Preis. Irgendwann werden die Freaks aussterben, die so was noch kaufen.

    Wir müssen also Lösungen suchen. Auf den Bloggern herumzuhacken und sich über sie lustig zu machen, weil sie alternative Modelle ausprobieren, kann auch nicht die Lösung sein. Betrachten Sie Kachingle als Experiment. Es kann scheitern (eher wahrscheinlich) oder funktionieren. Sollte die Idee tatsächlich funktionieren, wäre das ein Schritt in die richtige Richtung, eine Möglichkeit, von der gratis-ist-geil-Hysterie wegzukommen.

    Die meisten Blogger funktionieren übrigens ähnlich wie Ihr Printprodukt (dürfte man übrigens fragen, welches das ist?). Sie streben keine Wahnsinnsrendite an. Sie schreiben aus Überzeugung und mit Herzblut. Ich sehe da Parallelen zu Printjournalisten (ohne mich auch nur im Entferntesten als Journalistin zu sehen - das bin ich nicht). Weshalb dann immer dieser Kleinkrieg zwischen Journalisten und Bloggern, wenn viele von uns ähnliche Ansichten und Interessen haben?

    PS: Ich habe zwei Sonntagszeitungen, zwei Tageszeigungen und zwei Wochenzeitungen abonniert - bin ein überzeugter Zeitungsjunkie. Und eine überzeugte Bloggerin.

    PPS: Ronnie Grob ist nicht der einzige Blogger - und wenn Sie sich in unserem "Bloggersumpf" mal ernsthafter umsehen würden, würden Sie vielleicht sogar das eine oder andere Sumpfblümlein entdecken.

    In diesem Sinne

    Herzliche Grüsse

    Frau Zappadong

    AntwortenLöschen
  16. Sie machen sich über das "selbstreferentielles Nullsummen-Spiel" der Blogger lustig. Ihnen scheint entgangen zu sein, dass die gesamte Welt wie ein "selbstreferentielles Nullsummen-Spiel" funktioniert.

    Wenn Sie etwas zahlen, dann stellt Ihre Zahlung für irgendjemanden auf der Welt eine Einnahme dar. Die Summe der Gesamtausgaben entspricht per definitionem stets der Summe der Gesamteinnahmen. Auf unserer selbstreferenziellen Erde wandert also das Geld innerhalb eines Systems lediglich von Hosentsasche zu Hostentasche. Was ist also daran schlecht, wenn der Metzger mit den 100 Franken, die er von Herr Müller erhielt, sich bei Frau Müller die Haare schneiden lässt? Oder wenn sich Blogger untereinander bezahlen? Und: Ab wann welcher Personenzahl ist ein solches System nicht mehr "selbstreferenziell"? 5? 10? 1000? 7 Millionen? 7 Milliarden? Schwierige Frage, nicht?

    AntwortenLöschen
  17. Mister Universum > Es sind etwa soviele wie die EInwohner der grösseren Schweizer Städte.

    AntwortenLöschen
  18. Frau Zappadong > «Gratis geht halt einfach wirklich nicht»: Meine Rede seit anno tubak.

    «Das Umdenken wird schwierig werden»: Es wird schwierig werden, aber es geht nicht anders, wie Sie selber bemerkt haben.

    «Auf den Bloggern herumzuhacken, kann auch nicht die Lösung sein»: Kommt darauf an. Ich habe dieses Blog gegründet, damit ich ungestört auf den Bloggern herumhacken kann. Das ist dringend nötig. Ich habs satt, dass die Blogger ständig auf den Journalisten herumhacken. Ab sofort wird zurückgehackt. Ich habe nie behauptet, dass das die Lösung für die Medienkrise sei. Es ist eine Antwort auf das Journalisten-Bashing, nicht mehr und nicht weniger.

    «Die meisten Blogger streben keine Wahnsinnsrendite an»: Das möchte ich doch hoffen. Die Idee, dass man mit den mediokren Schweizer Blogs Geld jemals verdienen könnte, ist völlig aberwitzig. Wenn sich die Blogger ein wenig Mühe geben würden, wenn sie interessante Themen präsentieren und ein bisschen recherchieren würden, dann würde ich meine Meinung subito ändern. Aber ein- oder zweimal pro Woche auf die Schnelle den Journis auf billige Weise ans Bein pinkeln und noch Geld dafür verlangen, das kann nicht funktionieren.

    «Dürfte man übrigens fragen, welches das ist»: Man darf fragen, aber man sollte keine Antwort erwarten.

    «Ich sehe Parallelen zu Printjournalisten»: Ich sehe eher Parallelen zu von Neid getriebenen Besserwissern. Bei vielen Bloggern hat man das Gefühl, dass die sich ihren Frust von der Seele schreiben, weil sie keinen Medienjob fanden.

    «Weshalb dieser Kleinkrieg zwischen Journalisten und Bloggern»: Ich habe den Bloggern schon lange einen Deal angeboten: Sobald die Blogger erstens auf das Wort «Bäumetöter» verzichten, zweitens das Journalisten-Bashing stoppen und drittens die Qualität der Blogs massiv verbessern, wird ewiger Frieden herrschen.

    Ich möchte anfügen, dass Sie, Frau Zappadong, verglichen mit anderen Bloggern positiv auffallen mit Vernunft und mit der Fähigkeit zu kritischem Denken. Wenn alle Blogger so vernünftig wären wie Frau Zappadong, wäre der Kleinkrieg schon längst beendet.

    AntwortenLöschen
  19. Skepdicker > Sie haben nicht begriffen, was ich sagen wollte. Nochmals:
    - Kachingle zeigt: Nur Blogger lesen Blogger.
    - Kachingle zeigt auch: Nur Blogger sind bereit, anderen Bloggern Geld hinterher zu werfen.
    - Mit anderen Worten: Die Blogger-Szene ist ein selbstreferenzielles System.
    - Die professionellen Medien sind hingegen kein selbstreferenzielles System, weil sich ihr Publikum nicht nur aus Journalisten, sondern aus allen möglichen Berufsgruppen zusammensetzt.
    - Wenn sich Metzger bei Coiffeuren die Haare schneiden lassen, sprechen wir nicht von einem selbstreferenziellen System.
    - Das wäre nur dann der Fall, wenn sich die Metzger gegenseitig die Haare schneiden würden, oder wenn sich die Kundschaft der Metzgereien ausschliesslich aus Metzgern zusammensetzen würde.

    AntwortenLöschen
  20. Diese zugleich unterhaltsame, wie auch ärgerliche Unterhaltung mag nicht mehr gross verfolgt werden. Dennoch poste ich hier noch einen kleinen Link zu einem der bedeutendsten Medienblogs der amerikanischen Netzwelt (ein Satz, der leich zerpflückt werden darf...):
    http://mrmagazine.wordpress.com/2010/05/11/be-different-be-better-words-of-wisdom-from-legendary-magazine-publisher-roy-reiman/

    vielleicht ein wenig Substanz in der ganzen provinziellen Satireshow...

    AntwortenLöschen